Bergen: Alles unter einem Dach

Trotz der horrenden Lebenshaltungskosten und des miserablen Klimas – die beiden deutschen Studenten Rico Merkert, 25, und Oliver Steinhauser, 28, sind froh, dass sie zwei Semester an der Norges Handelshøyskde (NHH), der Norwegischen Handelshochschule in Bergen studiert haben.

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"Alle haben uns schon vorher erzählt, was für einen guten Ruf die NHH hat, aber ich war trotzdem gleich in der ersten Vorlesung angenehm überrascht. Organisation und fachliche Qualität der Lehrveranstaltungen sind an der NHH auf sehr hohem Niveau", erzählt Oliver.

Was die beiden Wirtschaftsstudenten, die bald wieder an die Technische Universität Berlin zurückkehren, besonders begeistert: Der hohe Praxisbezug des Studiums. An der NHH legt man zum Beispiel großen Wert auf Präsentationen. Und auch die Prüfungen sind ganz anders. „Während man den Kandidaten in Deutschland ausführliche Fragen stellt, müssen Studenten an der NHH beweisen, dass sie das Thema verstanden haben“, erklärt Oliver die Unterschiede. Und was die beiden Berliner Studenten besonders beeindruckt hat: die topmoderne Ausstattung der Norges Handelshøyskde. In jedem Raum stehen Computer und Geräte für PowerPoint-Präsentationen.

Ein weiterer Pluspunkt der norwegischen Handelshochschule: das ausgezeichnete soziale Netz und die gute Betreuung. Als Rico und Oliver ihr Studium an der NHH antraten, bekam jeder von ihnen einen Mentor zugewiesen, der ihnen den Campus zeigte und Tipps für die Freizeit gab.

Reichlich Kontakt und neue Freunde konnten die beiden Berliner auch im Studentenheim Hatleberg finden, das nur einen Katzensprung von der NHH entfernt ist und in dem Studierende aus aller Welt logieren. Dort werden zahlreiche Freizeit-Aktivitäten wie Schachturniere, Parties oder Sport angeboten. Der beste Treffpunkt zum Kennenlernen war für Oliver aber die Gemeinschaftsküche, die er sich mit Studies aus acht Ländern teilte: „Das war sehr lehrreich, auf diese Weise mit den verschiedendsten Kulturen in Berührung zu kommen.“
Denn auf Gemeinschaft und Gemeinschaftsarbeit wird an der NHH größeren Wert gelegt. „Es gibt sehr viele Gruppenprojekte“, weiss Student Rico. Allerdings bracuht es dafür auch viel Literatur. Und die ist teuer: Die Deutschen mussten pro Semester Bücher im Wert zwischen 2000 und 3000 norwegischen Kronen erstehen, also bis zu 800 Mark. "In Norwegen ist alles unglaublich teuer. Anfangs haben wir unseren Augen nicht getraut. Wir bekommen zwar über das Erasmus-Programm ein Stipendium, aber das berücksichtigt nicht die hohen Zusatzkosten eines Studiums in Norwegen", erläutert Rico. Deshalb, fügt er lachend hinzu, ernähre er sich vorwiegend von Nudeln und Pizza Grandiosa, der meistgekauften (und relativ preiswerten) Tiefkühlpizza Norwegens.

Wer noch ein paar Kronen übrig hat, kann sich in Bergens Zentrum amüsieren, wo es zahlreiche Kneipen, Bars, Musiklokale und Konzertsäle gibt. Einige davon werden sogar von Studenten betrieben, beispielsweise das "Hulen", ein ehemaliger Luftschutzkeller, der zu einem Rockclub umgebaut wurde oder das "Det Akademiske Kvarteret", das einige Diskotheken, Cafés, Clubs und eine kleine Bühne beherbergt. Nur überdacht muss es sein. Denn draußen, unter freiem Himmel, trübt der Dauerregen schon mal die Partystimmung.


INSIDE
Zulassung: In der Regel können nur Studierende der rund 90 ausländischen Partnerhochschulen an der NHH studieren. In Ausnahmefällen werden auch andere Studenten als Gasthörer zugelassen.
Kosten: Es werden keine Studiengebühren erhoben. Allerdings belaufen sich die monatlichen Ausgaben auf 6000 bis 8000 Norwegische Kronen, das entspricht rund 1000 Euro.
Unterkunft: Am besten an die Studentsamskipnaden i Bergen (SIB) wenden - die größte Studentenorganisation in Bergen:
Telefon: 0047/55 54 50 00
E-Mail: admin@sib.uib.no
Kontakte: Wer an der NHH studieren möchte, wendet sich am besten an das:
International Office der NHH
Telefon: 0047/ 55 95 93 00
E-Mail: int.stud@nhh.no.
Weitere Infos sind zudem im Internet abrufbar unter www.nhh.no/index-e.html


Otto Von Münchow/Bergen

07.09.2001 12:53:53

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